Indische Hochzeitskleider: Farben, Stoffe und traditionelle Schnitte
Wenn Sie eine indische Hochzeit planen oder als Gast eingeladen sind, unterscheidet sich die Kleiderwahl stark von westlicher Abendmode. Ein indisches Hochzeitskleid hat kulturelle Bedeutung, folgt regionalen Traditionen und wird oft monatelang maßgeschneidert. Entscheidend sind Farbe, Stoff und Schnitt.
Die Bedeutung der Farben
In Indien ist Rot die traditionelle Brautfarbe. Rot steht für Glück, Wohlstand und Fruchtbarkeit. In den meisten Regionen des Landes wird es bei der Zeremonie getragen. Viele Bräute wählen ein rotes Lehenga oder einen roten Saree mit goldenen Verzierungen. Diese Kombination gilt als besonders festlich und segensreich.
Das bedeutet nicht, dass andere Farben ausgeschlossen sind. In Nordindien tragen Bräute häufig auch Burgunderrot, Pink oder Orange. In Südindien sind Kanchipuram-Sarees in Rot, Gold oder Grün verbreitet, wobei Grün in manchen Regionen für einen Neuanfang steht. Inzwischen wählen viele Bräute bewusst moderne Farben wie Pastellrosa, Pfirsich oder sogar Blau, besonders bei Zweitfeiern oder wenn die Familie mehrere Veranstaltungen an einem Tag ausrichtet. Bei solchen Mehrtageshochzeiten trägt die Braut für jede Zeremonie ein anderes Kleid, etwa ein gelbes Outfit für die Haldi-Zeremonie am Vormittag und das rote Hauptkleid für die Trauung am Abend.
Als Gast sollten Sie die Farbe Rot meiden, weil sie der Braut vorbehalten ist. Greifen Sie stattdessen zu kräftigen Farben wie Smaragdgrün, Royalblau, Lila oder Gold, die bei indischen Feiern ausdrücklich erwünscht sind. Dezente Farben wie Grau oder Beige wirken dagegen schnell zu zurückhaltend und fallen im festlichen Rahmen kaum auf.
Die typischen Stoffe
Die Wahl des Stoffes bestimmt, wie das Kleid fällt, wie es sich trägt und wie aufwendig es wirkt. Die meisten indischen Hochzeitskleider werden auf Bestellung gefertigt, weil die traditionellen Schnitte eine Anpassung an Figur und Körpergröße brauchen.
Seide ist der klassische Stoff für Brautkleider. Reine Seide, besonders die schweren Sorten wie Banarasi-Seide oder Kanchipuram-Seide, hat einen natürlichen Glanz und hält die aufwendigen Stickereien gut. Sie ist teuer, knittert wenig und sieht auf Fotos besonders edel aus. Der Nachteil: Seide ist schwer und wird bei Sommerhochzeiten schnell warm.
Brokat ist ein schwerer Stoff mit eingewebten Mustern, oft in Gold oder Silber. Er wird häufig für Lehengas verwendet, weil er dem Rock Volumen gibt und die Verzierungen trägt. Brokat ist robust, aber steif, daher eignet er sich weniger für enganliegende Schnitte.
Chiffon und Georgette sind leichte, fließende Stoffe, die sich für Sarees und luftige Anarkalis eignen. Sie fallen weich und sind angenehm zu tragen, knittern aber schneller als Seide. Für eine Hochzeit im Freien oder in den wärmeren Monaten sind sie eine gute Wahl.
Samt ist ein Winterstoff. Er wirkt opulent und warm, eignet sich aber nur für Hochzeiten in der kühlen Jahreszeit oder in klimatisierten Räumen. Samt wird oft mit Goldstickerei kombiniert und sieht besonders bei Abendveranstaltungen eindrucksvoll aus.
Achten Sie beim Kauf darauf, dass der Stoff für die Jahreszeit und die Dauer der Zeremonie passt. Eine Trauung dauert oft mehrere Stunden, und Sie müssen darin sitzen, stehen und sich bewegen können. Lassen Sie sich im Geschäft zeigen, wie der Stoff fällt, und probieren Sie das Kleid mit den geplanten Accessoires an.
Die traditionellen Schnitte
Drei Schnitte dominieren die indische Hochzeitsmode: Lehenga, Anarkali und Saree. Jeder hat eine eigene Silhouette und eignet sich für unterschiedliche Anlässe und Figurtypen.
Das Lehenga besteht aus einem langen, ausgestellten Rock, einer kurzen Bluse (Choli) und einem Dupatta, einem langen Schal, der über Schulter oder Kopf gelegt wird. Der Rock ist meist weit geschnitten und wird in der Taille gebunden. Lehengas gibt es in verschiedenen Formen, vom glockenförmigen A-Linien-Schnitt bis zum engen, unten ausgestellten Fischschwanz. Der A-Linien-Schnitt schmeichelt fast jeder Figur und ist die sicherste Wahl für Bräute, die sich nicht festlegen möchten. Der Fischschwanz betont die Hüften und eignet sich für schlanke Figuren, schränkt aber die Bewegungsfreiheit beim Gehen ein.
Die Anarkali ist ein langes, fließendes Kleid, das von der Schulter bis zum Boden reicht und oft in der Taille leicht tailliert ist. Der Name stammt von einer berühmten Hofdame aus der Mogulzeit. Anarkalis wirken elegant und königlich, sind aber weniger praktisch, weil sie aus einem Stück bestehen. Sie eignen sich besonders für Bräute, die viel Wert auf eine schlanke, durchgehende Linie legen.
Der Saree ist ein etwa sechs Meter langes, ungenähtes Tuch, das um den Körper gewickelt und über der Schulter drapiert wird. Dazu trägt man eine Bluse und einen Unterrock. Der Saree ist der älteste der drei Schnitte und wird in Südindien häufiger getragen als im Norden. Er ist vielseitig, weil man die Drapierung variieren kann, und eignet sich für alle Figurtypen. Der Nachteil: Das Wickeln braucht Übung, und ohne Hilfe bekommt man den Saree nicht perfekt in Form. Planen Sie genug Zeit ein, um das Drapieren vor der Hochzeit zu üben.
Das richtige Kleid finden
Bevor Sie sich für ein Kleid entscheiden, klären Sie drei Fragen: Welche Zeremonie steht an, welche Jahreszeit ist es, und welche Rolle haben Sie bei der Feier?
Für die Braut gilt: Das Hauptkleid für die Trauung sollte traditionell und bequem sein. Wenn Sie mehrere Veranstaltungen haben, planen Sie für jede ein eigenes Outfit ein und achten Sie darauf, dass die Farben zusammenpassen. Für Gäste reicht ein gut sitzendes Lehenga oder ein eleganter Saree; die Farbe sollte nicht mit der Braut konkurrieren.
Die Passform ist entscheidend. Indische Hochzeitskleider werden fast immer auf Maß gefertigt, weil die Schnitte auf westliche Konfektionsgrößen nicht übertragbar sind. Nehmen Sie sich Zeit für mehrere Anproben und bringen Sie die Schuhe mit, die Sie tragen werden. Der Rock eines Lehengas sollte so lang sein, dass er knapp über dem Boden schwebt, ohne dass Sie darauf treten.
Achten Sie außerdem auf die Verarbeitung der Stickereien und Verzierungen. Hochwertige Arbeiten sind auf der Rückseite sauber vernäht, und die Perlen oder Pailletten sitzen fest. Billige Kleider verlieren oft schon nach einer Stunde einzelne Steinchen, was bei einer langen Zeremonie unangenehm auffällt.
Wenn Sie ein Kleid mieten oder kaufen möchten, fragen Sie nach der Herkunft des Stoffes und ob Anpassungen möglich sind. Viele Geschäfte bieten Änderungen an, aber nicht alle können den Schnitt grundlegend verändern. Ein zu enges Oberteil lässt sich selten erweitern, weil die Stickerei das Erweitern nicht zulässt.